Im Osterland

Mitten in einem Wald zwischen hohem Gras und Brombeersträuchern liegt das Osterland. Seit Wochen herrschte hier geschäftiges Treiben, denn zu Ostern soll doch alles fertig sein.

„So, das waren die letzten Eier, nun sind alle bunt“, freute sich Bella.

„Das habt ihr gut gemacht! Und meine Liebe kochst du dieses Jahr wieder Karottensuppe zu Ostern?“, fragte der Osterhase seine Frau.

„Sicher, wenn du morgen alle Osternester der Menschenkinder gefüllt hast, dann machen wir uns ein schönes Fest!“, antwortete Frau Hase.

„Wunderbar, dann gehe ich mit Ben zum Bach, Bärlauch für die Suppe holen“, freute sich Vater Hase.

„Och, muss ich mit?“, maulte Ben.

„Na, da kannst du doch gleich Moos für Bellas und dein Osternest suchen“, entschlossen ging Vater Hase los und sein Sohn trottete lustlos hinterher. Sie marschierten einen schmalen Pfad entlang durch Brombeerbüsche und Wildrosen. Hinter einem Felsbrocken fiel ein, mit Bärlauch, bewachsener Hang hinab zum Bach.

„Sieh mal, es ist doch so schön hier! Warum hattest du denn keine Lust mit mir zu kommen?“, wunderte sich Bens Vater.

„Ach weißt du, ich möchte Bella auch etwas zu Ostern schenken, aber ich habe nichts!“, klagte Ben und trat gegen einen kleinen Kiesel, der rollte gegen eine Baumwurzel und blieb im Moos liegen. „So einen Stein habe ich noch nie gesehen!“, rief Ben aus, als er den Kieselstein näher betrachtete. Er hatte die Form von einem Tropfen und war milchig weiß mit feinen roten Streifen durchzogen.

„Da habe ich eine Idee!“, sagte Vater Hase, der mit Bärlauch in der Hand auf seinen Sohn zuging und auf den Stein schaute. „Daraus machen wir eine Kette für Bella, dann hast du das schönste Geschenk.“

„Au ja!“, Ben freute sich riesig über seinen Fund. Zu Hause angekommen machten die beiden sich an gleich an die Arbeit. Sie schlichen sich unbemerkt von Mutter Hase und Bella in die Osterwerkstatt. Dort bohrten sie ein Loch in den Stein und zogen ihn danach auf ein feines Band. Den Rest des Tages versuchte Ben sich nichts anmerken zu lassen, aber er war so aufgeregt, dass er es seiner Mutter zuflüsterte, als sie die Karotten für die Suppe holte.

„Da wird Bella sich bestimmt freuen“, flüsterte Mama Hase und tätschelte ihm begeistert mit ihrer Pfote den Rücken. Am Ostermorgen legte Ben die Kette heimlich in das Osternest seiner Schwester. Aufgeregt schlich er solange im Garten herum, bis sein Vater vom Osternester füllen zurück kam.

„Ben“, rief sein Vater. „Hohl mal deine Schwester raus.“ Als Ben im Haus war, legte Vater Osterhase schnell bunte Eier in die Nester seiner Kinder. Dann flog die Tür auf, zwei Hasenkinder stürmten auf ihre Osternester zu und griffen hinein.

„Was ist das!“, Bella zog an dem Band der Kette und hielt sie in die Höhe. „Ist die schön!“ Über die Begeisterung seiner Schwester freute Ben sich mehr, als über seine eigenen Geschenke.

 

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