Der Schlitten

 

Mitte Januar stand der Schlitten immer noch nagelneu und blitzblank auf der Veranda. Er war ein Weihnachtsgeschenk für Timo gewesen. Aber nun stand er immer noch da und niemand war je mit ihm einen verschneiten Hang hinabgesaust. Kein Flöckchen Schnee weit und breit. Der Schlitten sah wehmütig durch die Verandascheiben auf die Pfützen vorm Haus. Es nieselte immer noch und alles sah aus, als wäre es in einen grauen Schleier gehüllt. Irgendwann verschwand die Sonne zwischen den Sträuchern, wie an jedem Tag, seit er hier stand. Als kurze Zeit später die Dunkelheit hereinbrach, scheif er bald ein.

Doch in dieser Nacht wurde alles anders. Leise segelte eine Schneeflocke durch die Luft, dann noch eine und da noch eine. Plötzlich waren es tausende, die leise vom Himmel fielen und die Erde mit einer weißen Puderschicht überzogen. Am nächsten Morgen wurde der Schlitten durch lautes Kinderlachen geweckt.

„Timo, kommst du mit, es hat gescheit, es hat gescheit!“, riefen Timos Freunde lauthals durcheinander. Der Schlitten konnte es kaum fassen, alles war weiß, es glitzerte und funkelte.

„Ich komme schon! Endlich kann ich meinen neuen Schlitten ausprobieren!“, Timo guckte aus der Verandatür, nahm den Schlitten und zog mit den Freunden los. Die Kinder trollten vergnügt hintereinander her und steuerten auf die einzige Erhebung zu, die es in dieser Gegend gab.

Der Schlitten war schon ganz aufgeregt, nun konnte er einen Hügel hinab sausen. Endlich stand er mit Timo oben auf der Hügelkuppe.

Die anderen Kinder nickten Timo zu: „Du zuerst!“

Mit einem Satz schwang er sich auf den Schlitten, jagte den Hügel hinab und juchte: „Ich fliege, juhu!“

„Ist das wunderbar! Das macht Spaß! Keinen Hopser möchte ich auslassen“, dachte der Schlitten. Runde um Runde liefen die Kinder immer ausgelassener den Berg hinauf und rodelten hinunter. Solange bis die Dämmerung hereinbrach und Timo sich mit seinen Freunden auf den Heimweg machte. Als der Schlitten an diesem Abend wieder auf der Veranda stand und die Sonne unterging, war er nicht mehr blitzblank, aber überglücklich.

 

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