Der Ameisenritter

Die Brüder Robin und Simon saßen schon eine Weile in der Küche bei ihren Hausaufgaben. „Sieh mal, eine Ameise auf meinem Rechenbuch!“, Robin legte den Kopf schief und spielte mit seinem Bleistift.

„Hau doch einfach drauf!“, sagte sein großer Bruder Simon, während er sein Schreibheft zuklappte.

„Nein, das mache ich nicht, ich bring sie nach draußen“, fand Robin.

„Ich bin fertig mit Hausaufgaben und wenn du noch lange mit dem Ungeziefer herumspielst, sitzt du heute Abend noch hier. Aber mir egal“, Simon packte seine Sachen ein und bemerkte noch spöttisch: „Was hast du da bloß für Klamotten an, du siehst aus wie ein Ameisenritter“, dann ging er kopfschüttelnd aus der Küche.

„Komm hier auf das Blatt.... So ist schön“, Robin tat, als hätte er die Bemerkungen von seinem Bruder nicht gehört, schob ein Stück Papier unter die Ameise und hob es dann vorsichtig hoch. Damit ging nach draußen auf den Rasen hinterm Haus. Dort lies er die Ameise auf ein Gänseblümchen rutschen.

„So, hier gehörst du hin!“, sagte Robin, blinzelte in die Sonne und legte sich zufrieden auf den Liegestuhl. Plötzlich drehte sich alles und er war winzig, so winzig wie ein Insekt. Auf einmal stand die Ameise neben ihm.

„Ich bin Amalie. Danke, dass du mich hierher gebracht hast. Zur Belohnung zeige ich dir nun meine Welt!“,

„Oh Schreck, wo bin ich? Du bist ja genau so groß wie ich!“ Verwundert sah Robin auf die Ameise.

„Nein, du bist so klein wie ich!“ Amalie zeigte auf die riesigen Grashalme neben sich.

„Na, komm! Wir gehen in diese Richtung“, Amalie drehte sich um und faste Robin bei der Hand. Der Junge guckte zuerst beunruhigt, ging dann aber entschlossen hinterher. Die beiden wanderten durch die Wiese, die wie ein Urwald war und Robin sah sich alles genau an. In einigen Blättern hatte sich Wasser wie in einem Brunnen gesammelt. Die Grashalme waren so riesig wie Bäume und die Blüten sahen aus wie große Sessel. Aufgeregt hüpfte Robin in ein Gänseblümchen, es war herrlich weich und duftig. Lachend ließ er sich in die Blüte plumpsen, rekelte sich und blickte in den Himmel. Eine Grille zirpte und um das Gänseblümchen glitt eine Schnecke. Robin schaute über den Rand der Blüte und beobachtete die Schnecke misstrauisch. Die war so riesig, das er erleichtert war, als sie endlich fortkroch. Danach rutschte er von der Blüte und lief zu Amalie, die an einer Butterblume lehnte.

„Horch mal, das klingt doch schön!“, sagte Amalie und die beiden lauschten dem Wind, der mit dem Gras raschelte.

„Oh ja, schön“, fand Robin, dabei fielen ihm schon die Augen zu. Plötzlich gab es einen lauten Knall.

„Was war das?“, erschrocken öffnete Robin die Augen wieder. Da sah er Simon, mit einer kaputten Papiertüte in der Hand, neben seinem Liegestuhl.

„Das war nur ein Traum! Ein Traum, wie ein echtes Abenteuer, unheimlich und schön zugleich“, dachte Robin und grinste seinen Bruder nur an.

„Das nennt der Ameisenritter Hausaufgaben machen?“, Simon starrte ihn mit grimmigem Gesicht an, tippte gegen seinen Kopf und ging pfeifend davon. Heimlich lächelnd sah Robin seinem Bruder hinterher und dachte: „Schlaumeier, der Ameisenritter hatte ein tolles Erlebnis, so einen schönes Abenteuer wirst du nie haben!“

 

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